WIRTSCHAFT REGIONAL

Amazon auf Expansionskurs in Oberfranken

Viele Einzelhändler stehen vor dem Bankrott. Die lokalen Geschäfte machen dicht zum Schutz vor der Corona-Pandemie. Der Online-Handel boomt. Ausgerechnet die CSU bläst zum Widerstand.

Ein weiteres Verteilzentrum im Landkreis Bamberg

Bei Amazon brummt das Geschäft – schon länger, und erst recht jetzt in der Pandemie, wo viele Läden vom Aus bedroht sind. Der Versandriese ist auf Expansionskurs – auch in Oberfranken. Dort schießen überall neue Amazon-Standorte aus dem Boden.
Die abstrakte Nachricht, dass Amazon immer mehr Ware verkauft, wird in Eggolsheim bei Forchheim anhand sehr vieler Lastwagen deutlich. Das erst 2019 eröffnete Amazon-Sortierzentrum platzt beinahe aus den Nähten. Jetzt soll die Zufahrt vergrößert werden.
Schwarzenbach an der Saale soll nun zum zweiten Standort für ein Amazon-Verteilzentrum im Landkreis Hof werden - die Verhandlungen dazu laufen noch.
In Pommersfelden im Landkreis Bamberg soll noch in diesem Jahr ein weiteres Verteilzentrum in Betrieb genommen werden. Amazon legt so, über ganz Oberfranken, wie über den Rest des Landes, ein Netz von Vertriebsstützpunkten, um die Lieferung über Nacht zu gewährleisten.
Die 250 Lieferwagen täglich, die die Pakete ausfahren und die großen Laster, die sie in der Nacht zum Verteilzentrum bringen, gehören dann auch dazu. (Quelle BR24, 8.02.2021)

Für eine "Google- und Amazon-Steuer"

Auf der anderen Seite: Viele Einzelhändler stehen vor dem Bankrott. Die Corona-Krise macht es deutlich: Die lokalen Geschäfte schließen zum Pandemieschutz, Innenstädte drohen auszusterben. Im Gegenzug machen die großen Online-Händler das Geschäft des Jahrhunderts. Aber sie zahlen im Vergleich zum "Buchladen um die Ecke" viel weniger Steuern. Sie nutzen Infrastruktur wie Breitband-Internet und Straßen, beteiligen sich aber kaum an der Finanzierung. Amazon, Ebay, Google und Co. müssen sich an der Finanzierung der Infrastruktur der öffentlichen Strukturen beteiligen. Das könnte über eine besondere Besteuerung der Internet-Handels-Riesen geschehen.
Die CSU-Landesgruppe im Bundestag hat sich Anfang Januar 2021 mit dem Thema befasst und in einem Positionspapier - für sie - spektakuläre Vorschläge gemacht.
Nach den Vorstellungen der CSU soll es künftig eine "europaweite Regelung für eine Mindestbesteuerung" von digitalen Großkonzernen wie Amazon oder Google geben. "Wir wollen die Internet-Riesen besteuern", soll es in dem Konzeptpapier heißen. Wenn Google und Facebook mit personalisierter Werbung und Daten aus Deutschland Geld verdienten, dann müssten sie "von diesem Gewinn auch etwas an unser Gemeinwesen zurückgeben". Die Zeit sei reif für eine "Google- und Amazon-Steuer", soll da auch für den ungläubigen Leser geschrieben stehen.
Das beschlossene Konzeptpapier heißt “Unsere Digitale Agenda 2021 – für ein Jahrzehnt der digitalen Innovationen” und befasst sich natürlich auch mit anderen Aspekten der Digitalisierung.
10.2.21 Bilder: webzet. Hinweis: Die webzet-blog ist unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar. Zu dem Artikel äußern können Sie sich anhand der Kommentarfunktion unten. Die Kommentare werden nach einer Überprüfung gemäß der Richtlinien für Kommentare (s. unten) freigeschaltet.